Das Feuer


Das Feuer knistert leis,
so vertraut ist dieser Ort.
Ich liege hier und weiß,
die Nacht braucht kein Wort.

Stille ist heut mein Lohn,
und ich halt in schweigend in den Händen.
Es tanzt die Reflexion,
rostrot an den Wänden.

Siehst du die Flamme, auch ich brenne
Doch es wird mich wärmen ihre Glut,
damit ich heute nicht verkenne,
dass in jedem Ende ein  Anfang ruht.

den Rest meines Lebens

Könnte ich mir jetzt aussuchen, was ich mit dem Rest meines Lebens anstellen will, dann würde ich antworten:

Ich will den Pinsel nicht mehr aus der Hand legen, mir eine schönere Welt malen; detailreich und farbenfroh und ich will schreiben, die schönsten Gedichte über die fernsten Orte. Und singen will ich Tag und Nacht. Die Sonne soll niemals untergehn und die hellsten Sterne niemals verblassen.
Ich will meine Liebsten an den Händen halten und auf eine lebenslange Wanderschaft gehen; auf Reisen, die mich mit jedem Schritt näher zu mir selber führen.
Ein Pochen, ein Klirren, ein schriller Gesang
verhallt in dem Klang,
den Waffe auf Waffe dir singt.
Stoß zu auf ein Wort, weil das Wort nichts mehr bringt,
und die Tat nur dem Täter entspringt.

Doch leg nieder das Eisen, ich lass für dich schweißen,
eine Kette so lang wie die Welt,
stark genug, um niemals zu reißen,
und Hand an Hand uns zusammenhält.

Die Kälte

Dumpfes Pochen in einem Raum gefüllt von Erinnerungen.

Knarzende Stühle und mit Staub bedeckte Schränke umrunden das beklemmende Gefühl der Leere und Bedeutungslosigkeit. Wärme hat an Wert verloren und Erinnerungen sind zu schmerzenden Stichen in einem sonst schon so lädierten Herzen geworden.

Gedanken drehen sich im Kreis um eine dunkle Welt. Die Menschlichkeit wurde von gestrigen Schüssen ausgerottet und das Bewusstsein vom rechten Weg hat gänzlich seine Kühnheit verloren. Heute rühmen wir uns noch mit den Taten von gestern und morgen schon werden wir uns selbst dabei zusehen müssen, wie unsere Köpfe hart am Randstein der Gewissheit aufschlagen.

Doch jetzt sitzt sie hier, in der Mitte des Raums, kränklich bleich im Schein der Halogenlampe, und spürt, wie die Wände langsam auf sie zukommen. Ja, jetzt noch sitzt sie hier-die Menschheit-, starr und gebeugt kauert sie an diesem tristen Ort und schaut aus dem Fenster.

Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel und vermischen sich in ihrem verheißungsvollen Tanze zu einer undurchdringlichen, grauen Masse.

Unausgesprochene Gedanken hängen wie Nebelfetzen in der Luft.

Die Tage ziehen sich dahin und noch so viele Tränen lassen den Winter nicht vorübergehen.

Im Mund haben wir noch den bitteren Nachgeschmack einstiger Vorsätze und die herben Küsse der Vergangenheit, die noch auf unseren Zungen weiterleben, erinnern uns klagend daran, dass wir uns alle doch einst Liebe und Innigkeit geschworen haben. Mit großen Ankündigungen wurden Vorhaben verschleiert, doch jetzt, wo kein Vorhang mehr Halt für unsere müden Augen bietet, erkennen wir die Unwahrhaftigkeit des Seins. Wir haben viel zu lange gehofft und auf diesen hölzernen Stühlen sitzend, dem kalten Treiben der Schneeflocken zugesehen. Nun drehen wir uns in diesem Raum im Kreise; um unsre eigene Achse; kommen keinen Schritt voran. Alles hat an Sinn verloren und von der dicken Staubschicht der Vergangenheit bedeckt legen wir uns auf den steinernen Boden der Realität.

Es gibt kein Entrinnen; kein Entkommen mehr, von den eigenen Gräueltaten.

Ruhig liegen wir hier und ersehnen die Nacht. Vollkommen leer warten wir darauf, bis unser Leben vom Grau ins Schwarz gleitet. Die Chancen sind verspielt und die Möglichkeiten unbeachtet. Leise pochen sie noch vor sich hin, unsere schwachen Herzen und warten einsam auf Erlösung, während die Kälte nach unseren Leibern greift.